5. März 2026

Tradition bewahren, Aufbruch ermöglichen

Im Mai 2025 übernahmen Dr. Wilhelm Nehring (links) und Martin Walter (rechts) ihre Vorstandsfunktionen bei Pepperl+Fuchs. Im Interview berichten sie von ihren ersten Monaten und skizzieren ihre Zukunftspläne für die Unternehmensgruppe.

Dr. Wilhelm Nehring, CEO, and Martin Walter, CFO of the Pepperl+Fuchs Group

Dr. Wilhelm Nehring, Chief Executive Officer, und Martin Walter, Chief Financial Officer, verfügen über umfassende internationale Führungserfahrung in unterschiedlichen Branchen und Märkten. Nach langjährigen Tätigkeiten in weltweit agierenden Unternehmen haben sie im Mai 2025 ihre Vorstandspositionen bei Pepperl+Fuchs übernommen. Im Gespräch erläutern Dr. Wilhelm Nehring und Martin Walter ihre strategischen Leitlinien, geben Einblicke in die ersten Monate ihrer Vorstandstätigkeit und zeigen auf, welche technologischen, marktseitigen und unternehmerischen Entwicklungen aus ihrer Sicht für die zukünftige Ausrichtung von Pepperl+Fuchs von zentraler Bedeutung sind.

Herr Dr. Nehring, Herr Walter, Sie sind seit Mai vergangenen Jahres CEO bzw. CFO der Pepperl+Fuchs-Gruppe. Was hat Sie seither besonders beeindruckt oder überrascht?

Dr. Wilhelm NehringPepperl+Fuchs ist durch eine außergewöhnliche Identifikation der Mitarbeitenden mit dem Unternehmen geprägt. Dieses Engagement ist ein zentraler Erfolgsfaktor, den unsere Kunden sehr schätzen.

Martin WalterIch nehme eine große Bereitschaft und Offenheit wahr, Dinge zu hinterfragen und dann zusammen daran zu arbeiten, Pepperl+Fuchs weiterzuentwickeln. Das passt hervorragend zu unserem so innovativen und technologisch führenden Unternehmen.

Pepperl+Fuchs ist ein Unternehmen mit sehr langer Tradition. Wofür wird es unter Ihrer Führung in Zukunft stehen?

Dr. Wilhelm NehringPepperl+Fuchs ist für Zuverlässigkeit, Qualität und Kontinuität bekannt. Zugleich gilt das Unternehmen seit jeher als Impulsgeber für innovative Automatisierung – unsere Technologien leisten einen wesentlichen Beitrag zu den zentralen industriellen Megatrends. Auch in Zukunft soll die gesamte Unternehmensgruppe für Verlässlichkeit verbunden mit Erfindergeist und technologischer Exzellenz stehen.

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Mit seinem breiten Portfolio an Automatisierungs- und Digitalisierungslösungen verfügt Pepperl+Fuchs über die Schlüsseltechnologien, die für industrielle Megatrends unverzichtbar sind.

Wie gelingt aus Ihrer Sicht der Spagat zwischen Tradition und Innovation?

Dr. Wilhelm NehringTradition und Innovation stehen nicht konträr zueinander, sondern gehen bei Pepperl+Fuchs Hand in Hand. Unsere Expertise basiert auf jahrzehntelanger Erfahrung und einem tiefen Verständnis für die Anforderungen von Märkten und Kunden. Wir hören zu, erkennen Entwicklungen frühzeitig und übertragen diese in marktfähige Produkte und Lösungen. Aus diesem Grund verstehen wir uns nicht nur als Lieferant, sondern als strategischen Partner, der seine Kunden mit innovativen Technologien dazu befähigt, die industrielle Transformation erfolgreich zu gestalten.

Ein Generationswechsel bedeutet auch Veränderung. Wie sehen Ihre Pläne für Pepperl+Fuchs aus?

Martin WalterWir haben ein Unternehmen mit einem soliden Fundament übernommen, das stolz auf seine erfolgreiche Vergangenheit sein kann. Gleichzeitig ändert sich die Welt um uns immer schneller und Erfolg muss jeden Tag neu erarbeitet werden. Wir reagieren darauf, indem wir ein Umfeld schaffen, in dem Entscheidungen schneller getroffen werden, die Organisation konsequent auf den Markt ausrichten und Prozesse und Strukturen vereinfachen, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Was heißt das konkret?

Dr. Wilhelm NehringUm Technologieführerschaft und Innovationskraft weiterhin als festen Bestandteil unserer Unternehmenskultur zu bewahren und die industrielle Transformation aktiv mitzugestalten, muss sich auch unsere Organisation kontinuierlich weiterentwickeln. Dabei stehen die Anforderungen unserer Kunden konsequent im Mittelpunkt unseres Handelns. Nur so können wir unserem Leistungsversprechen gerecht werden und zugleich Effizienz sowie finanzielle Stabilität nachhaltig sichern. Es geht nicht um einen grundlegenden Neuanfang, sondern darum, bestehende Strukturen so zu optimieren, dass ideale Rahmenbedingungen für Innovation, Agilität und Kreativität entstehen.

Was bedeutet diese Strategie für Kunden?

Dr. Wilhelm NehringKunden von Pepperl+Fuchs können sich darauf verlassen, dass wir ihre zukünftigen Anforderungen frühzeitig antizipieren und daraus innovative, praxisnahe Lösungen ableiten. Unser Anspruch ist es, sie langfristig mit technologisch führenden Produkten bestmöglich zu unterstützen.

Unser Anspruch ist es, unsere Kunden langfristig mit technologisch führenden Produkten bestmöglich zu unterstützen.
Dr. Wilhelm Nehring, CEO der Pepperl+Fuchs Gruppe
Blickt man auf die Welt außerhalb von Pepperl+Fuchs, waren und sind es herausfordernde Zeiten, in denen Sie Ihre Vorstandsfunktionen übernommen haben. Wie gehen Sie damit um?

Martin WalterDie aktuellen geopolitischen und wirtschaftlichen Herausforderungen betreffen nicht nur Pepperl+Fuchs, sondern auch unsere Marktbegleiter. Es ist daher wichtig, unseren Fokus und unsere Energie darauf zu richten, unser Unternehmen so aufzustellen, dass wir diesen externen Faktoren flexibel und effektiv begegnen.

Wie schätzen Sie die Rolle Europas als Industriestandort ein? Oder überspitzt gefragt: Hat die EU noch eine Chance im internationalen Rennen?

Dr. Wilhelm NehringIn den vergangenen Jahrzehnten hat die EU sehr viel Positives erreicht, was man auch in Zeiten herausfordernder Rahmenbedingungen nicht über Bord werfen sollte. Vielmehr gilt es, daran anzuknüpfen und das vorhandene Potenzial zu nutzen, um die EU wieder als attraktiven und wettbewerbsfähigen Industriestandort zu stärken. Für Unternehmen bedeutet das: bessere Rahmenbedingungen, neue Innovationschancen und langfristige Wachstumsperspektiven.

Können Sie ein Beispiel nennen, wo die EU aktiv werden muss?

Martin WalterEin zentrales Thema bleibt der Abbau von Bürokratie, die auch bei uns viele Ressourcen bindet, die stattdessen in die Entwicklung neuer Technologien und Geschäftsmodelle fließen könnten. Dadurch haben europäische Unternehmen gegenüber anderen Regionen, die weniger stark reguliert sind, einen Wettbewerbsnachteil. Dabei geht es nicht darum, dass Regulierung grundsätzlich schlecht ist, sondern dass Aufwand und Nutzen in einem sinnvollen Verhältnis stehen und Europa sich nicht vom Rest der Welt entkoppelt. Auf der anderen Seite könnte die EU mit einem Abbau innereuropäischer Handelsbarrieren oder der stärkeren Förderung von Schlüsseltechnologien, wie beispielsweise KI und der dafür notwendigen Infrastruktur, positive Impulse setzen.

Welche Chancen sehen Sie für Pepperl+Fuchs durch die Anwendung und Integration von KI?

Dr. Wilhelm NehringGrundsätzlich sind für Pepperl+Fuchs zwei verschiedene Bereiche relevant. Zum einen ermöglicht der Einsatz von KI-Tools die Optimierung und Automatisierung bestehender, häufig administrativer Prozesse. Zum anderen wird Künstliche Intelligenz tiefgreifende Auswirkungen auf Entwicklung und Fertigung haben und deutlich über das hinausgehen, was heutige Standardplattformen bieten. Gerade bei der Analyse großer Datenmengen, etwa aus Sensoren oder Feldgeräten, eröffnen KI-Modelle neue Möglichkeiten: Intelligente Systeme können Anomalien frühzeitig erkennen, vorausschauende Wartung unterstützen und damit signifikante Effizienzsteigerungen ermöglichen. Das ist ein bedeutender Fortschritt, den wir aktiv mitgestalten.

Wie kann das konkret aussehen?

Dr. Wilhelm NehringIn Kooperation mit Bosch Digital Twin Industries bieten wir bereits ein Starter Kit an, mit dem Nutzer einen einfachen Zugang zu KI-basierter vorausschauender Wartung erhalten. Pepperl+Fuchs liefert in dem Gesamtpaket die notwendige Hardware, um die benötigten Daten zur Verfügung zu stellen und zu verarbeiten. Mithilfe von KI-Modellen und Machine-Learning-Algorithmen werden diese analysiert, um daraus Handlungsempfehlungen für Wartungseinsätze abzuleiten. Was Anwender damit in einem kleinen Rahmen testen können, lässt sich sehr flexibel skalieren und auf ganze Anlagen ausweiten, wodurch Ausfallzeiten reduziert werden und Unternehmen von einer gesteigerten Effizienz profitieren.

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Mit dem Digital Twin Starter Kit bieten Bosch Digital Twin Industries und Pepperl+Fuchs Anlagenbetreibern ein Komplettpaket für einen einfachen Einstieg in die KI-gestützte Anlagenüberwachung.

Stichwort Effizienz: Welchen Stellenwert hat Nachhaltigkeit allgemein bei Pepperl+Fuchs unter Ihrer Führung?

Dr. Wilhelm NehringNachhaltigkeit ist ein integraler Bestandteil der Unternehmensstrategie von Pepperl+Fuchs und geht nach unserem Selbstverständnis weit über ein bloßes Erfüllen regulatorischer Anforderungen hinaus. Technologien wie die von Pepperl+Fuchs leisten einen essenziellen Beitrag zu effizienteren und sichereren Prozessen in der Industrie.

Martin WalterPepperl+Fuchs steht für Nachhaltigkeit und zwar schon lange bevor der Begriff in aller Munde war. Verantwortlich und langfristig zu handeln, für das Unternehmen und das Umfeld, ist Teil unserer Unternehmenskultur und selbstverständlich – das wird sich auch nicht ändern.

Was ist Ihnen in Ihren Rollen als CEO und CFO besonders wichtig und was können Mitarbeitende von Ihnen erwarten?

Dr. Wilhelm NehringMein Anspruch als CEO ist, gemeinsam mit dem Vorstandsteam eine klare Strategie zu definieren und unseren Mitarbeitenden damit Orientierung für ihre Arbeit zu geben – besonders in Zeiten des Wandels. Entscheidend ist für mich, Menschen im Team zu haben, die mit Engagement, Enthusiasmus und Passion diesen Weg mitgehen und dabei stets die Bedürfnisse unserer Kunden in den Mittelpunkt stellen.

Martin WalterGanz nüchtern betrachtet ist mir als CFO besonders wichtig, dass wir finanziell robust aufgestellt sind. Das ist die Grundlage, um in Krisen bestehen und in Wachstumsfelder investieren zu können. Dafür braucht es unter anderem eine klare strategische Ausrichtung, ein funktionierendes Steuerungssystem und effiziente Prozesse. Den Weg dahin mit einem motivierten Team funktionsübergreifend zu gestalten, das begeistert mich.

Zum Abschluss noch eine persönliche Frage: Mit welchen drei Worten würden Sie sich jeweils selbst als Person beschreiben?

Dr. Wilhelm NehringLeidenschaftlich, technologiegetrieben, verlässlich.

Martin WalterZuverlässig, ergebnisorientiert und neugierig.

Vielen Dank!

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Dr. Wilhelm Nehring, CEO of the Pepperl+Fuchs Group

Dr. Wilhelm Nehring, Chief Executive Officer

Dr. Wilhelm Nehring studierte Management (MSc) an der London School of Economics sowie Maschinenbau und Wirtschaftsingenieurwesen (Dipl.-Ing.) an der TU Berlin, wo er auch promovierte. Seine Karriere startete Herr Dr. Nehring bei thyssenkrupp, wo er in Schlüsselpositionen entscheidende Wachstumsstrategien vorantrieb. Als CEO der Business Unit OSRAM Digital gestaltete er über fünf Jahre hinweg die Transformation des globalen Technologiekonzerns. Zuletzt leitete er interimsweise das familieneigene Maschinenbauunternehmen Reineke Mess- und Regeltechnik.

Martin Walter, CFO of the Pepperl+Fuchs Group

Martin Walter, Chief Financial Officer

Martin Walter studierte Betriebswirtschaftslehre in Stuttgart und hat einen MBA der University of Cambridge. In seiner Karriere hat er erfolgreich Performance und Prozesse von globalen Unternehmen nachhaltig verbessert und leistungsstarke kaufmännische Organisationen aufgebaut. Über 15 Jahre arbeitete er für MANN+HUMMEL in verschiedenen Führungspositionen in Deutschland, Singapur, UK, Indien, China und Brasilien. Zuletzt war Herr Walter als Senior Vice President Controlling and Accounting bei Stihl, dem Weltmarktführer für Motorsägen, tätig.