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Experten zum Thema funktionale Sicherheit

Als Marktführer im Bereich der funktionalen Sicherheit verfügt Pepperl+Fuchs über das breiteste Portfolio an Komponenten mit einer SIL-/PL-Bewertung und hat bereits mehr als zehn Millionen solcher Geräte verkauft. Grundvoraussetzung für diesen Erfolg ist eine hohe In-House-Kompetenz. Ein Interview mit Michael Kindermann (Head of Functional Safety), Hasan Sülük (Functional Safety Manager) und Dr. Andreas Hildebrandt (Leiter Schulung und Gremienarbeit) über ihren Arbeitsalltag, die Normenlage und Methoden zur Wissensvermittlung … 

Drei Köpfe aus der Firma Pepperl+Fuchs, alle in Sachen funktionale Sicherheit tätig. Bitte stellen Sie sich und Ihren Tätigkeitsbereich doch kurz unseren Lesern vor:
Michael Kindermann: Als Head of Functional Safety bin ich in einer Art Schnittstellenfunktion tätig. Ich agiere als Mittler zwischen den Prüfstellen, die Geräte von Pepperl+Fuchs auf Einhaltung der diversen Normen für funktionale Sicherheit überprüfen und unseren Entwicklern. Ich unterstütze während der Entwicklung neuer Produkte beim Verständnis normativer Anforderungen, kommuniziere Änderungen von Normen und die einhergehenden Implikationen. Zudem sorge ich dafür, dass die Mitarbeiter, die mit funktionaler Sicherheit zu tun haben, die nötige Kompetenz für diese Aufgabe besitzen. Dies wird von einigen der betreffenden Normen auch explizit gefordert. Hauptaufgabe ist aber sicherlich das interne „Functional Safety Management“, also die Anpassung und Überwachung interner Firmenprozesse, sodass wir weltweit Geräte produzieren, die tatsächlich den Forderungen der Normen entsprechen. Unser unternehmensinternes Functional-Safety-Management-System ist durch eine externe Prüfstelle entsprechend zertifiziert.
Hasan Sülük: Meine Tätigkeit findet auf einer etwas spezifischeren Ebene statt. Ich fokussiere als Functional Safety Manager stark die für Maschinen- und Anlagenbauer bzw. deren Zulieferer relevanten EN IEC 62061 und EN ISO 13849-1 und -2, im EU-Raum natürlich mit Hinblick auf Konformität zur Maschinenrichtlinie MD 2006/42/EC. Insbesondere für unsere Sicherheitsgeräte im Bereich Fabrikautomation, wie zum Beispiel AS-Interface Safety at Work, bin ich Ansprechpartner für die Kollegen aus Produktentwicklung und Support.
Dr. Andreas Hildebrandt: Als Leiter der Schulungs- und Gremienarbeit sorge ich dafür, dass Pepperl+Fuchs sein umfangreiches Wissen auch erfolgreich zu den Anwendern transferiert. Da wir als Unternehmen den elektrischen Explosionsschutz maßgeblich mitgestalten, ist der inhaltliche Weg zur Thematik der funktionalen Sicherheit und der damit verbundenen stochastischen Zuverlässigkeitstechnik nicht weit. Gerade in diesen beiden Bereichen bin ich persönlich seit Jahrzehnten stark involviert. Mein Team und ich sind also ganzjährig als Referenten auf Seminaren, Konferenzen, Symposien und Tagungen im Einsatz, sowohl im In- als auch im Ausland.

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Sicherheitsnachweise zu führen, ist eine höchst verantwortungsvolle Aufgabe, die von den damit betrauten Mitarbeitern eines Unternehmens entsprechend ernst genommen wird.

Hasan Sülük, Functional Safety Manager

Der Wissensdurst im Bereich der funktionalen Sicherheit scheint groß zu sein. Was beschäftigt die Teilnehmer solcher Veranstaltungen oder auch die Kollegen und Kunden, die sich mit Ihnen in Verbindung setzen?
Michael Kindermann: Das Thema funktionale Sicherheit ist sehr vielschichtig. Wir haben als „Umbrella Standard“ für funktionale Sicherheit die IEC 61508, eine siebenteilige Normenreihe, die übrigens in diesem Jahr ihren 20. Geburtstag feiert. Sie hat sich im Laufe dieser doch beachtlichen Zeitspanne als Basisnorm etabliert und ihren Weg in viele nationale Normenwerke, wie zum Beispiel die in der deutschen Prozessindustrie gängige DIN EN 61511 gefunden. Mit der zweiten Edition dieser Grundlagennorm, die 2010 veröffentlicht wurde, sind aber Veränderungen einhergegangen, die auch langjährige Hersteller von Sicherheitsequipment und erfahrene Anwender noch immer beschäftigen.
Hasan Sülük: Sicherheitsnachweise zu führen, ist eine höchst verantwortungsvolle Aufgabe, die von den damit betrauten Mitarbeitern eines Unternehmens entsprechend ernst genommen wird. Wir stehen, wie von Michael Kindermann erwähnt, in Kontakt mit sehr erfahrenen Herstellern und Anwendern, die sich mit kleinsten normativen Nuancen und ganz spezifischen Detailfragen ihrer Safety-Applikationen auseinandersetzen. Auf der anderen Seite gibt es – oftmals kleinere – Unternehmen, in denen die Funktion eines Sicherheitsbeauftragten gerade erst geschaffen wurde oder in denen ein bestehender Mitarbeiter zusätzlich zu seinem Tagegeschäft diese Aufgabe übernimmt.

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Unser erklärtes Ziel ist es, die Einsteiger effektiv in die zugegebenermaßen komplexe Thematik einzuführen und existierende Missverständnisse zügig abzubauen.

Dr. Andreas Hildebrandt, Leiter Schulung und Gremienarbeit

Da kann man also ein anderes Vorwissen vermuten, korrekt?
Dr. Andreas Hildebrandt: Richtig, unser erklärtes Ziel ist es jedoch, die Einsteiger effektiv in die zugegebenermaßen komplexe Thematik einzuführen und existierende Missverständnisse zügig abzubauen. Ein „Klassiker“ ist hier zum Beispiel die weit verbreitete Annahme, der Sicherheitsintegritätslevel (SIL), wie er auch von Pepperl+Fuchs für zahlreiche Komponenten angegeben wird, sei eine Geräteeigenschaft, also eine Angabe, die sich auf das Gerät als Ganzes bezieht. Das ist aber so nicht der Fall. Die Angabe einer SIL-Eignung bezieht sich immer auf die risikomindernde Funktion eines Geräts, also auf die sogenannte Element-Sicherheitsfunktion innerhalb eines gesamten Sicherheitskreises.

Welche Orientierungshilfe würden Sie denn Einsteigern ans Herz legen?
Michael Kindermann: An dieser Stelle empfehle ich gerne unser „Kompendium Funktionale Sicherheit“, das sich übrigens nicht nur an Einsteiger richtet. Andreas Hildebrandt und ich haben jede Menge Know-how in diesem kostenlosen PDF-Nachschlagewerk gebündelt. Neben dem theoretischen Wissen und einem Überblick über die Normenlage zeigen wir auch den Nachweis der SIL-Erreichung exemplarisch anhand einer Überfüllsicherung. Nicht zu vergessen sind das enthaltene Glossar und die umfangreiche Quellensammlung.
Dr. Andreas Hildebrandt: Wir haben dieses Kompendium inhaltlich an Fragestellungen ausgerichtet, die im Rahmen unserer Veranstaltungen zur funktionalen Sicherheit immer wieder auftauchten. Damit ist der größtmögliche Bezug zu ganz konkreten Problemen aus der Praxis gegeben.

Stichwort Veranstaltung – außer dem 20. Geburtstag der IEC 61508 gab es dieses Jahr noch ein weiteres Jubiläum. Der Vulkan Verlag und Pepperl+Fuchs richteten gemeinsam die zehnte „SIL-Sprechstunde“ aus. Wie kann man sich diese Veranstaltungen vorstellen?
Michael Kindermann: Was die SIL-Sprechstunde besonders macht, ist die Tatsache, dass das Programm voll auf die Bedürfnisse der Teilnehmer eingeht. Konkret heißt das, dass die Veranstaltung nicht nur „Frontalunterricht“ beinhaltet, sondern im Vorfeld auf einer eigens eingerichteten Website anonym konkrete Fragen eingereicht werden können. Diese beantworten die Referenten dann am zweiten Tag der Veranstaltung.
Dr. Andreas Hildebrandt: Die nun schon zehnte SIL-Sprechstunde ist ein schöner Beleg dafür, wie eng wir bei Pepperl+Fuchs die Entwicklung der IEC 61508 über die Zeit begleitet haben. In Zusammenarbeit mit unseren Medienpartnern bieten wir den Teilnehmern eine jährlich stattfindende Veranstaltung, bei der sie sich direkt vor Ort mit den Experten austauschen können.
Hasan Sülük: Experten heißt in diesem Falle nicht nur Experten von Pepperl+Fuchs, sondern auch Mitarbeiter von Prüforganisationen, Sicherheitsfachleute aus der Industrie, Functional Safety Manager von Geräteherstellern, Dienstleister auf dem Gebiet der funktionalen Sicherheit, Wissenschaftler oder Behördenvertreter. Bei der diesjährigen Veranstaltung war zum Beispiel das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW vertreten. So bieten die Sprechstunden einen breiten Querschnitt an Wissen und Perspektiven zur funktionalen Sicherheit. Dabei fokussieren wir dann schwerpunktmäßig aktuelle Trends und Themen. Zuletzt haben wir uns der übergeordneten Frage gewidmet, wie sich die zunehmende Digitalisierung in der Industrie auf die Sicherheitstechnik auswirkt. Die durchweg positiven Rückmeldungen unserer Teilnehmer zeigen, dass dieses Format wirklich nachhaltig Früchte trägt.

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Pepperl+Fuchs hat mittlerweile über 700 Produkte mit einer SIL-/PL-Bewertung im Portfolio – und weitere werden folgen.

Michael Kindermann, Head of Functional Safety

Was zeichnet nachhaltige Arbeit für Sie noch aus?
Dr. Andreas Hildebrandt: Nun, um nachhaltige Formate wie die SIL-Sprechstunde zu schaffen, muss man erst einmal bereit sein, einen zunächst unkonventionell erscheinenden Weg zu beschreiten und sich an Neuem zu versuchen. Das haben wir 2009 mit der ersten SIL-Sprechstunde getan und das tun wir auch heute noch. Schließlich gibt es, außer dem klassischen „Präsenzseminar“, didaktisch sehr spannende Möglichkeiten, technisches Fachwissen zu vermitteln. Wir arbeiten aktuell mit University4Industry zusammen, einem Münchner Start-up, das sich auf die Fahnen geschrieben hat, Know-how aus deutschen Industrieunternehmen standortunabhängig und webbasiert verfügbar zu machen. Als Ergebnis kann man auf unserem Channel dort etwa vier Stunden Schulungsinhalte zur funktionalen Sicherheit erhalten und sein neu gewonnenes Wissen direkt online in Übungsaufgaben erproben.
Hasan Sülük: Generell versuchen wir, den Anwendern die erfolgreiche Realisierung ihrer Sicherheitsanwendungen so leicht wie möglich zu machen. Das ist unser Anspruch an uns selbst als kompetenter Partner. Dazu zählen, neben einem Nachschlagewerk wie unserem Kompendium, auch SISTEMA-Bibliotheken für die Safety-geeigneten Produkte von Pepperl+Fuchs. Diese sind, nach Produktbereichen gegliedert, kostenlos bei uns auf der Homepage in der Sektion „Software“ verfügbar. Außerdem haben wir vor Kurzem ein neues, vollständig in unsere Website integriertes Tool veröffentlicht, mit dem Anwender die PFD nach IEC 61508/VDI/VDE 2180 und die PFH nach 61508 errechnen lassen können. Sie geben die Parameter ein und das Tool übernimmt die eigentliche Rechenarbeit für Sie. Die Ergebnisse inklusive Rechenweg kann man anschließend in Form einer PDF-Datei erhalten und sie der eigenen Anlagendokumentation hinzufügen.
Michael Kindermann: Für mich zeigt sich die Nachhaltigkeit unserer Arbeit auf zweierlei Art. Zum einen sind es die diversen Veranstaltungen und vielfältigen digitalen Hilfestellungen, die wir anbieten. Zum anderen ist es das breiteste Angebot am Markt, wenn es um Komponenten für den Einsatz in Sicherheitsanwendungen geht. Pepperl+Fuchs hat mittlerweile über 700 Produkte mit einer SIL-/PL-Bewertung im Portfolio – und weitere werden folgen. Jüngste Beispiele dafür sind die gerade mit dem German Innovation Award prämierten Positioniersysteme safePXV und safePGV. Sie erreichen SIL 3/PL e mit nur einem einzigen Sensor. Das normative Fachwissen, das wir nach außen vermitteln, und solche bei uns im Unternehmen entstehenden ausgeklügelten Produktlösungen sind also zwei Seiten derselben Medaille.

safePXV- und safePGV-Absolutpositioniersysteme von Pepperl+Fuchs
safePXV- und safePGV-Absolutpositioniersysteme von Pepperl+Fuchs

Preisgekrönte Safety von Pepperl+Fuchs: Die safePXV/safePGV-Absolutpositioniersysteme erreichen SIL 3/PL e mit nur einem einzigen Sensor.