10. Februar 2026
Innovation im Schulterschluss
Seit 2010 verbindet KNAPP und Pepperl+Fuchs eine erfolgreiche Innovationspartnerschaft, die ihren Ursprung in einem gemeinsamen AS-Interface-Entwicklungsprojekt hat. Mit der Einführung von IO-Link-Motorsteuermodulen setzen die beiden Unternehmen neue Maßstäbe für Effizienz, Flexibilität und Nachhaltigkeit in modernen Intralogistiksystemen.

Was 2010 mit einem gemeinsamen Entwicklungsprojekt für kundenspezifische AS-Interface-Lösungen (ASi) begann, entwickelte sich schnell zu einer langjährigen Partnerschaft, die bis heute Bestand hat. Das österreichische Technologieunternehmen KNAPP AG und Pepperl+Fuchs SE teilen seitdem ein tiefes technisches Verständnis und den Anspruch, innovative Lösungen für die Intralogistik gemeinsam voranzutreiben.
Als KNAPP im Jahr 2019 eine leistungsfähige IO-Link-basierte Lösung zur Motorrollensteuerung suchte, fiel die Wahl erneut auf Pepperl+Fuchs – mit dem Ziel, die Verfügbarkeit, Transparenz und Zukunftssicherheit der Anlagen weiter zu erhöhen.
Zwei Unternehmen, eine Vision
Seit über 15 Jahren verbindet beide Unternehmen eine enge technische Zusammenarbeit. Nach der gemeinschaftlichen Entwicklung der ASi-basierten Lösung, aus der die G20-Serie zur Motorrollensteuerung hervorging, wurden später auch Module mit lokaler Logik ohne Steuerungsanbindung entwickelt. 2019 kam es erneut zu einer Anfrage von KNAPP, die Motorsteuermodule zusätzlich mit IO-Link-Technologie auszustatten: „KNAPP hatte zu diesem Zeitpunkt bereits sehr konkrete Anforderungen formuliert und diese in einem Lastenheft festgehalten“, erinnert sich Frank Ebert, Entwicklungsleiter für industrielle Kommunikation bei Pepperl+Fuchs.
Hintergrund war der Wunsch nach einer technologischen Weiterentwicklung: „Da wir mit AS-Interface aufgrund der beschränkten Bandbreite zunehmend an Grenzen gestoßen sind, haben wir uns entschlossen, die Steuerung unserer Peripherie konsequent auf IO-Link auszurichten“, ergänzt Claus Blödorn, Development Project Management bei KNAPP. Nachdem ein anderer potenzieller Lieferant die mechanischen und konstruktiven Vorgaben nicht erfüllen konnte, rückte Pepperl+Fuchs erneut in den Fokus: „Uns war zunächst nicht bewusst, dass Pepperl+Fuchs neben AS-Interface auch im IO-Link-Bereich derart spezialisierte Entwicklungen realisiert“, ergänzt Blödorn.
In enger technischer Abstimmung entstand daraufhin eine durchdachte Weiterentwicklung des AS-Interface- Moduls, welche die Vorteile der IO-Link-Technologie in einem kompakten Motorsteuermodul vereint. Zunächst für das KNAPP-eigene Shuttlesystem entwickelt, wurde das Konzept anschließend auf IO-Link-Motorsteuermodule für die Fördertechnik ausgeweitet.
Heute kommt das System erfolgreich im Onlinehandel sowie im Pharmagroßhandel zum Einsatz – Branchen, die durch hohe Durchsatzraten und eine hohe Warenumschlagshäufigkeit geprägt sind.

Als eine Art automatisches Kleinteilelager lagert, kommissioniert, puffert, versorgt und sequenziert das Shuttle-System Waren aller Art in unterschiedlichsten Anwendungsbereichen. Die automatisierte Shuttle-Lösung erlaubt einen höheren Durchsatz sowie eine größere Lagerdichte.
Abstimmung auf Augenhöhe
Entscheidend für den Erfolg des Projekts war die enge Verzahnung der erfahrenen Entwicklerteams. In regelmäßigen Webmeetings mit technischen Experten beider Seiten wurden Lösungen erarbeitet – eher im Stil praxisnaher Workshops als klassischer Abstimmungen. „Während der intensiven Entwicklungsphase konnten sinnvolle Optimierungen, auch über das ursprüngliche Lastenheft hinaus, schnell und unkompliziert umgesetzt werden“, erläutert Blödorn. „Diese fast schon freundschaftliche Beziehung war letztlich der Schlüssel zum Erfolg.“
Dank der langjährigen Erfahrung mit den Motorsteuermodulen der G20-Serie verlief auch die Integration des neuen IO-Link-basierten Systems bei KNAPP reibungslos. „Nach internen Tests und ausgewählten Pilotprojekten zeigte sich nach sechs bis zwölf Monaten: Die Lösung ist stabil und kann für alle zukünftigen Shuttle-Anlagen freigegeben werden“, bestätigt Blödorn.
„IO-Link eröffnet viele neue Möglichkeiten, die in der Anfangsphase naturgemäß Fragen aufwerfen“, erinnert sich Ebert an die Testphase. Dazu gehörten etwa die Zykluszeiten einzelner IO-Link-Master oder anfängliche PROFINET-Stack-Probleme, die sich aber schnell beheben ließen.
Mehr Effizienz, weniger Fehlerquellen
Der Umstieg auf IO-Link brachte spürbare Verbesserungen mit sich – sowohl in technischer als auch in organisatorischer Hinsicht. Bei AS-Interface mussten die Module voradressiert und exakt in der geplanten Reihenfolge montiert werden. „Dies ist jetzt dank IO-Link nicht mehr notwendig. Die Module werden ohne Vorkonfiguration eingebaut und erhalten ihre Funktion einzig durch das Anstecken am richtigen Master-Port. Das senkt das Fehlerpotential enorm“, betont Blödorn.
Die neuen IO-Link-Module vereinen gleich mehrere Funktionen in einem Gerät: Jedes Modul verfügt über vier frei konfigurierbare Motorausgänge. So lässt sich auch die Geschwindigkeit einzelner Motorrollen ganz flexibel anpassen.
Auch die Techniker bei KNAPP berichten von deutlichen Erleichterungen bei der Inbetriebnahme und Wartung, berichtet Blödorn: „Die Vorzüge der Plug-and-Play-Fähigkeit kommen natürlich auch beim Austausch zu tragen. Jedes Modul kann sofort und ohne langwieriges Handling eingesetzt werden.“
Gleichzeitig zeigt der Einsatz im Feld auch immer Optimierungspotenzial auf, weiß Ebert: „Daher haben wir gemeinsam mit KNAPP das Produkt weiterentwickelt – mit optimierten Kabellängen und erweitertem Spannungsbereich bis 48 V.“ Dadurch ist es nun möglich, leistungsstärkere Motorrollen anzuschließen und damit das Einsatzspektrum zu erweitern.
Eine Partnerschaft, die Innovation beschleunigt
Fünfzehn Jahre gemeinsamer Entwicklung zeigen: KNAPP und Pepperl+Fuchs verbindet weit mehr als Technologie. Beide Unternehmen teilen den Blick auf künftige Herausforderungen und Chancen in der Automatisierung. Schon heute liefern die G20-Module mit IO-Link wertvolle Informationen zu Betriebsstunden oder Temperatur und schaffen damit die Basis für eine vorausschauende Wartung. „Mit zunehmend intelligenter IO-Link-Sensorik wird erkennbar, in welchem Zustand sich Sensoren und Aktoren befinden, ob Überlastungen drohen oder wann Wartungsbedarf besteht“, erklärt Blödorn den Predictive-Maintenance-Ansatz. So kann das Anlagenpersonal frühzeitig eingreifen und ungeplante Stillstände der Fördersysteme vermeiden.
Auch im Bereich Energieeffizienz sehen beide Partner weiteres Potenzial: „Es geht vor allem darum, bestimmte Anlagenteile in Leerlaufzeiten gezielt abzuschalten und so nachhaltig Kosten zu sparen“, fasst Ebert zusammen. Neben der Energieoptimierung verfolgen KNAPP und Pepperl+Fuchs das Ziel einer vollständig automatisierten Konfiguration – bis hin zu zentralen Firmware-Updates aller Komponenten. Mit IO-Link sind dafür bereits heute die technologischen Voraussetzungen geschaffen.






