23. Juni 2026
Technologie im Spannungsfeld zwischen Tradition und Innovation
Wie die Interface-Technik von Pepperl+Fuchs seit fast 70 Jahren Maßstäbe setzt und warum sie auch im Zeitalter der Digitalisierung nichts von ihrer Relevanz verliert – ein Gespräch mit Michael Kessler, Executive Vice President Technology/R&D bei Pepperl+Fuchs.

Technologien entwickeln sich weiter, Anforderungen verändern sich, neue Trends entstehen. Umso bemerkenswerter sind Lösungen, die über Jahrzehnte hinweg Bestand haben und dabei kontinuierlich neue Maßstäbe setzen. Die Interface-Technik von Pepperl+Fuchs gehört zu diesen Technologien. Im Gespräch erläutert Michael Kessler, wie sich das Portfolio über die Jahre weiterentwickelt hat und warum es auch heute nichts von seiner Relevanz verloren hat.
Michael KesslerTatsächlich früher, als viele denken: Der erste Trennschaltverstärker wurde schon 1956 entwickelt – also noch vor der Erfindung des induktiven Näherungsschalters zwei Jahre später durch Pepperl+Fuchs. Möglich wurde das durch die damals aufkommende Halbleitertechnik. Damit konnten wir erstmals elektrische Signale aus explosionsgefährdeten Bereichen galvanisch getrennt und sicher in den nicht-explosiven Bereich übertragen. Das war im Grunde die Geburtsstunde der industriellen Interface-Technik.
Michael KesslerIn den Anfangsjahren war alles noch echte Manufakturarbeit – in kleinen Stückzahlen, hier in Mannheim. Erst in den 1970er Jahren entwickelte sich daraus ein industrieller Standard. In dieser Zeit entstanden auch die ersten Systeme, die man heute als Vorläufer des K- und H-Systems bezeichnen kann.
Michael KesslerDas K-System ging aus den frühen Hutschienen-Geräten hervor und wurde später zu unserem wichtigsten Interface-System. Parallel dazu gab es die Europakarten – also die in Racks montierten Module, die vor allem in der Chemieindustrie beliebt waren. Später kam das H-System hinzu, das mit Termination Boards eine besonders komfortable Verdrahtung bietet. Damit wurde die Verbindung zwischen Leitsystem und Interface-Ebene deutlich effizienter.
Michael KesslerDas liegt am robusten Design und an der Philosophie, mit der wir entwickeln: Wir achten immer darauf, dass ein neues Gerät mit seinem Vorgänger kompatibel bleibt. So kann eine Anlage über Jahrzehnte sicher betrieben werden. Wir haben Produkte im Feld, die seit 30 Jahren zuverlässig arbeiten – und wir setzen mit ihnen jährlich immer noch beachtliche Umsätze um. Das zeigt, wie langlebig unsere Technologie ist und welche Laufzeit die Anlagen unserer Kunden haben.
Michael KesslerFrüher stand vor allem der Explosionsschutz im Fokus. Heute geht es zusätzlich um Effizienz, Kompaktheit und Nachhaltigkeit. Wir entwickeln Geräte, die immer universeller einsetzbar sind, also mehrere Funktionen abdecken können. Gleichzeitig reduzieren wir die Verlustleistung, machen die Geräte kleiner und energieeffizienter.
Michael KesslerJa, aber auf ganz natürliche Weise. Bei uns bedeutet mehr Effizienz automatisch auch mehr Nachhaltigkeit. Wenn wir ein Gerät kompakter machen, müssen wir es effizienter gestalten, sonst bekommen wir die Wärme nicht aus dem Schaltschrank. Das senkt Energieverbrauch und CO₂-Ausstoß, und der Kunde spart gleichzeitig Betriebskosten. Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit gehen bei uns Hand in Hand.
Michael KesslerEin gutes Beispiel ist unsere Stromversorgungsserie PS1000. In einem aktuellen Projekt hat die Berechnung unserer Produktspezialisten gezeigt, dass ein Kunde in seiner Anlage durch den sehr hohen Wirkungsgrad über eine zehnjährige Betriebsdauer mit unserer Lösung gegenüber einem vergleichbaren Gerät rund 100.000 Euro einsparen kann. Das ist Nachhaltigkeit, die sich rechnet, und es hat dem Kunden die Entscheidung für unsere Geräte leicht gemacht.
Michael KesslerDas heißt, ein einziges Gerät kann heute mehrere Anwendungen lösen. Unser Smart-Transmitterspeisegerät KCD2-SCS-Ex2 etwa überträgt analoge Signale in beide Richtungen – früher brauchte man dafür zwei Geräte. Das spart Platz, Kosten und vereinfacht die Ersatzteilhaltung am Lager erheblich.
Michael KesslerNicht so schnell. Natürlich ersetzt in einer vollständig digitalisierten Anlage Ethernet-APL die klassische Interface-Technik, weil die Signale dort bereits digital übertragen werden. Aber die Realität sieht anders aus: Die meisten Anlagen sind Brownfield-Anlagen. Dort lässt sich Digitalisierung einfach nachrüsten, etwa mit HART-Kommunikation über unseren HART Multiplexer. So können Kunden zusätzliche Zustandsdaten aus der Anlage erfassen, ohne ihre gesamte Infrastruktur erneuern zu müssen.
Michael KesslerAbsolut. Die Interface-Technik ist das Rückgrat vieler Prozessanlagen, und das wird sie auch noch lange bleiben. Wir investieren kontinuierlich in dieses Portfolio, optimieren bestehende Geräte und entwickeln neue. Unsere Kunden können sicher sein: Interface-Produkte von Pepperl+Fuchs wird es auch in zwanzig Jahren noch geben – nur eben effizienter, kompakter und nachhaltiger.
Michael KesslerMich fasziniert, dass wir Produkte entwickeln, die über Generationen hinweg Bestand haben und teilweise 30 Jahre in Betrieb sind! Wir sind stolz darauf, dass unsere Technik zuverlässig im Hintergrund arbeitet – Tag für Tag, Jahr für Jahr. Und trotzdem treiben wir Innovation immer weiter, ganz im Sinne des Pioniergeistes unserer Gründer. So schreiben wir die Geschichte der Interface-Technik weiter – mit derselben Leidenschaft für Fortschritt, mit der bei Pepperl+Fuchs alles begann.
Interface-Technik von Pepperl+Fuchs
Mit sieben Jahrzehnten Erfahrung zählt Pepperl+Fuchs zu den Pionieren der industriellen Interface-Technik. K-System und H-System sind in der Prozessindustrie weltweit im Einsatz und stehen für sichere Signalübertragung, Eigensicherheit und Langlebigkeit. Dank kontinuierlicher Weiterentwicklung und innovativer Ansätze – etwa bei Themen wie Kompaktheit, Energieeffizienz und Nachhaltigkeit – bleibt die Interface-Technik ein zentrales Element der Automatisierungslösungen von Pepperl+Fuchs.
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